Schamanismus, Zauberei
und Ethnomedizin
Schamanentum und Ethnomedizin in der europäischen Kultur
Der Begriff "Schamanismus" wurde vom deutschen Lehnwort
"Schamane" abgeleitet; letzteres setzte sich gegen Ende des 17. Jahrhunderts
in Deutschland durch. Es stammt ursprünglich vom tungusischen "šaman",
für dessen weitere Ethymologie es verschiedene Ansichten gibt. Das Wort
könnte eine Ableitung von der tungusischen Wurzel ša- (denken, wissen)
sein. Ein anderer Versuch den Ursprung des Wortes zu interpretieren geht auf
die mandschu-tungusische Bedeutung "mit Hitze und Feuer arbeiten"
zurück. Schamanische Praktiken bei den indigenen Heilern sind weltweit,
seit der Steinzeit zu finden. Unter Schamanismus wird ein spirituelles Phänomen
verstanden, welches zuerst von den Völkerkundlern bei verschiedenen indigenen
Völkern Sibiriens beobachtet und beschrieben wurde.
Die Ausdrücke "denken, wissen, mit Feuer arbeiten" benennen die
Arbeit eines Schamanen schon ganz gut. Schamanen sind "Wissende" -
sie sind Berater, Heilkundige und Vermittler zwischen dem Diesseits und der
geistigen Welt. Während ihrer Arbeit treten sie bewußt in einen veränderten
Bewußtseinszustand, der schamanischen Trance. Diese Trance wird, je nach
Intensität, begleitet von "feurigen Energien", welche sich durch
schwitzen und starker Wärme bemerkbar machen.
Die weit verbreitete Annahme, der Schamanismus stelle die spirituelle Praxis der Steinzeitmenschen dar, wurde im 19. Jahrhundert geprägt. Es wurde dann im Laufe der Zeit während weiterer Forschungen der Begriff "Schamane" und "Schamanismus" auf alle ähnlichen Phänomene weltweit angewendet.
Auch in Europa gibt es viele Höhlenmalereien die deutlich
auf schamanische Tätigkeiten hinweisen. Selbst Cäsar hatte von Praktiken
bei den Germanen und Galliern berichtet, die sehr stark an die schamanischen
Handlungen von indigenen Heilern erinnern die wir heute immer noch beobachten
können. Auch in vielen älteren Kulturkreisen gab es ähnliche
Erscheinungen (Ahnenkult, Animismus, Totemkult, Geisterglaube und Naturreligionen).
In der keltischen Mythologie und im europäischen Sagenkreis finden wir
Hinweise auf Gestaltwandlungen und Reisen in andere Welten.
In der Geschichte, historisch gesehen (... und auch im eigenen Leben) entsteht
nichts ganz plötzlich und endet auch so. Es
gibt
gewisse markante Eckpunkte an denen wir uns orientieren können. Alles entwickelt
sich voneinander, beeinflußt sich und baut aufeinander auf. Aus diesem
Grunde behaupte ich ganz frech ;-), daß die indoeuropäische Naturreligion
(-spiritualität) aus dem Schamanismus hervorgegangen ist und in ihr viele
schamanische Elemente zu finden sind.
In unserem Kulturkreis hießen diese Heilkundigen nicht Schamanen,
sondern Druiden (die Wissenden, oder Eichenmänner), Goden oder "die
weisen Frauen und Männer". Im Mittelalter wurden sie verächtlich
Hexen genannt.
So haben auch wir Europäer heilkundige Männer und Frauen gehabt, die
zwischen Diesseits und Jenseits vermittelten, mit Gesprächen, Ratschlägen,
Heilkräutern und schamanischen Handlungen ihre Kranken heilten und mit
bestimmten "Verbündeten" zusammen arbeiteten. Bei den Ureinwohnern
Amerikas werden diese Verbündete u. a. Totem genannt. Auch die keltischen
Stämme hatten Totemtiere und Tiergottheiten.
Quelle:
u.a. wikipedia
Zum Bild: Aus "Das große Bilderlexikon des
Menschen in der Vorzeit" von J. Jelinek
Bild 584 auf Seite 369: Nachzeichnung der Gravierung eines Fabelwesens (so heißt
es dort) aus der Höhle Trois Freres, Frankreich (nach Breuil).
... oder etwa ein Schamane? ...
Es wurde dann später im Laufe der Zeit der Begriff "Schamane" und "Schamanismus" auf alle ähnlichen Phänomene weltweit angewendet. Dieses Vorgehen hat auch Kritik hervorgerufen.
Leider haben sich die Begriffe "Schamane, Schamanismus und
schamanisch" in der Gesellschaft schon so weit eingebürgert, daß
es wahrscheinlich zu Mißverständnissen kommen würde, wenn ein
anderer "indogermanischer" Begriff benutzt würde.
Daher benutze ich bei gewissen Textstellen hier die Begriffe "Schamane","schamanisch"
und "Schamanismus" um gewisse Personen, ein bestimmtes Phänomen
und / oder eine bestimmte spirituelle Technik zu beschreiben.
Das schamanische Weltbild
Im schamanischen Weltbild ist alles was uns umgibt beseelt. Das Göttliche und die Geistwesen existieren in allen Wesen und Dingen. Auch das keltisch-germanische Weltbild ist erfüllt von der Wahrnehmung in der Götter und Naturgeister wie z.B. Feen oder Zwerge existieren. Sie alle sind Ausdruck und Erscheinungen des All-Einen und wirken im großen Kreis des Lebens mit. Diese Götter und Geistwesen können wir uns in der Heilkunde zu Verbündeten machen. Und auch der Mensch ist beseelt und in ihm offenbart sich ebenfalls das Göttliche.
Das Schamanentum ist keine Religion, sondern eine spirituelle
Praxis und Weltanschauung. Es kann in jedem religiösen Weltbild angewendet
werden. Im Christentm, um ein Beispiel zu nennen, werden Gott, die Jungfrau
Maria, Jesus, die Heiligen und Engel zu den Verbündeten die um Hilfe gebeten
werden, um mit ihnen gemeinsam schamanisch zu wirken. Außerdem hat das
Christentum auch viele alte "heidnische" Bräuche übernommen
(z.B. den Exorzismus oder das Räuchern mit Weihrauch). Hildegard von Bingen
z.B. hatte Visionen in denen Gott zu ihr sprach. Sie war eine sehr anerkannte
Nonne, kräuterkundige Ärztin und Mystikerin während ihrer Zeit.
Eine Druidin oder Schamanin im Christengewand ... ;-) ?
Auch heute noch gibt es indigene Völker, die traditionell
die Kräuterheilkunde und schamanische Praktiken anwenden, um ihre Kranken
zu heilen und selbst die "moderne westliche Welt" findet wieder zu
diesen Heilmethoden zurück.
Michael Harner, promovierter Anthropologe betrieb 38 Jahre ausgiebige Forschungen
bei den Nord- und Südamerikanischen Ureinwohnern, in Mexiko, in der kanadischen
Arktis, in Lappland und Zentralasien. Er veröffentlichte mehre Bücher
über seine Studien. Es ist sein Verdienst der westlichen Welt den Schamanismus
verständlich nahe gebracht zu haben. Daraufhin entwickelte er eine Technik
mit der es möglich ist ohne halluzinogene Pflanzen,
die manche indigene Schamanen benutzen, schamanisch tätig sein zu können.
Das wichtigste Instrument dabei ist die Trommel. Es ist aber auch möglich
jedes andere Instrument zu benutzen mit dem monotone rhythmische Klänge
erzeugt werden können, wie z.B. die Rassel. Durch einen schnellen monotonen
Rhythmus wird eine Trance erzeugt in der dann schamanische Heilrituale am Klienten
oder auch am Wohnraum und Landschaften ausgeführt werden. Angenehme Musik,
Meditationsmusik, die Meditation selbst und eintönige Tätigkeiten
können ebenfalls Trancezustände hervorrufen.
Es gibt aber auch Kritiker die spirituelle Erfahrungen in Frage
stellen. Manche Naturwisschenschaftler, Psychologen und Atheisten versuchen
spirituelle Phänomene als psychische Erkrankungen zu erklären. In
der Tat, der Grad zwischen Genie und Wahnsinn ist schmal. Es gibt aber einen
deutlichen Unterschied an dem zwischen einer Geisteskrankheit und schamanischer
Trance unterschieden werden kann. Der Psychotiker, der an Halluzinationen leidet,
wird von seiner Krankheit beherrscht. Ein Schamane aber kann die für ihn
wichtigen Zustände, mit und in denen er arbeitet, bewusst und kontrolliert
herbeirufen und genauso wieder beenden. Somit ist der Schamane ein Vermittler
zwischen dem Hier und Jetzt und der geistigen Welt.
Ebenso sind die Auswirkungen einer erfolgreichen schamanischen Handlung in der
"alltäglichen Wirklichkeit" und am Klienten zu bemerken und zu
erkennen. Hätte Hildegard von Bingen einen kundigen Lehrer gehabt, der
ihre Visionen und Erlebnisse erklären konnte, dann hätte sie womöglich
nicht so einen heftigen Gewissenskonflikt erlitten und gezweifelt.

Dieses alte ethnomedizinische und schamanische Wissen und deren Praxis wird uns heute immer mehr bewußt und zugänglich. "Altes Wissen" heisst aber nicht, daß es alt und verstaubt ist, sondern es bedeutet eher "Weise" da es schon sehr alt ist und viel Erfahrung dahinter steckt. Seit vielen tausenden von Jahren hat sich dieses Wissen durch Erfahrung entwickelt und die Menschen konnten unter härtesten Lebensbedingungen überleben.
Die Traditionelle Chinesische Medizin hat das Glück einer ununterbrochenen, viele tausend Jahre alten Tradition ihrer Heilkunde. Bei den Europäern wurde leider während des Mittelalters diese Tradition unterbrochen und viele Schriften über die Kräuterheilkunde wurden vernichtet. Doch glücklicherweise haben einige von ihnen überlebt, wie z.B. die von dem Arzt und Philosophen Paracelsus oder Hildegard von Bingen.
Die Naturheilkunde ist darauf ausgerichtet, Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen und im Einklang zu erhalten. Darum ist es sinnvoll diese drei Ebenen gleichzeitig zu behandeln, da sie sich gegenseitig beeinflussen und miteinander wirken. Schamanische Heilweisen (z.B. Seelenanteilrückholung und Extraktion) bereichern die Naturheilkunde sinnvoll um diese drei Ebenen wieder ins Gleichgewicht zu bringen und um die körpereigenen Heilkräfte zu aktivieren.
Wir sollten uns immer bewußt sein, wann es sinnvoll ist einen Schulmediziner in die Beratung mit einzubeziehen. Wir sollten uns aber auch bewußt machen, daß die Schulmedizin uns nicht immer heilen kann. Auch die schulmedizinischen Heilmethoden haben ihre Grenzen. Eine sinnvoll aufeinander abgestimmte Therapie und Beratung, in der die Therapeuten (Schulmedizinisch und Naturheilkundlich) und der Klient sinnvoll miteinander zusammenarbeiten, können langfristig sehr oft Linderung und manchmal auch Heilung bringen.
Druiden, Zauberer, Zaunreiterinnen und Zauberei
Mittlerweile gibt es Stimmen, die verlauten lassen, daß
die heute schamanisch Tätigen in Europa und der westlichen Welt, einen
anderen Begriff an Stelle "Schamanismus und Schamane" benutzen sollten.
Einen Begriff, der aus unserem Kulturkreis stammt.
Die Personen, die ähnliche und wahrscheinlich auch oft die selben, Praktiken
zur Zeit unserer Ahnen anwendeten (z.B. das einwickeln in Tierhäute und
Felle um dann in einem veränderten Bewußtseinszustand auf "Reisen"
zu gehen. So hatte Cäsar einen Druiden beschrieben der ein Ritual vollzog),
wurden Druiden, Goden und später Zauberer und Hexen genannt.
Ich persönlich verwende gerne die Begriffe Druiden, Zauberei
und Zauberer, aber auch Weltenwanderer und Zaunreiterinnen. Sie sind und waren
die Heiler, Magier, Kenner der heiligen Mysterien, Vermittler zwischen Geister-
Götter- und Menschenwelt, Pflanzen- und Naturkundige und / oder Sternenkundige
der europäischen Kultur.
Zur Zeit der keltischen Hochkulturen wurden die Zauberer Druiden genannt.
Häufig wird heute auch für Zauberer und Hexen die Bezeichnung "Hagazussa"
/ die auf dem Zaun sitzt, oder Zaunreiterin (mit Zaun beschreibt man die Schwelle
zu den anderen Welten) verwendet.
Da ich für mich selbst von der Zauberei, dem Druidentum und dem Schamanentum viel annehmen konnte, aber dennoch "freitanzend" ;-) bin, bezeichne ich mich als Zauntänzerin.
Als Zauntänzerin ... Tänzerin
im Zwielicht
bezeichne ich mich.
der Tanz ...
im Zwielicht ...
der Zaun ...
die Schwelle in die anderen Welten ...
doch mehr dazu verrate ich nicht .... ;-)
An dieser Stelle möchte ich betonen, daß diese Art der Spiritualität
kein Satanismus oder "schwarze Magie" ist. Das indoeuropäisch
keltisch-germanische Weltbild enthält "nur" ein paar wichtige
Gottheiten und Geistwesen mehr wie das christliche. All diese sind Ausdruck
des Göttlichen. Darüberhinaus empfinden wir, dass alles was uns umgibt,
beseelt ist und wir mit diesen Geistwesen kommunizieren können. Die Christen
tun es über das Gebet, Meditation, Rituale, Gottesdienst und manchmal auch
über Visionen. Genau so ist es bei uns auch. Meditation, Visionen, Gebete,
Anrufungen, das "Sich-Öffnen", Rituale und das Feiern der Jahreskreisfeste.
Manchmal machen wir eine schamanische Reise, weil dadurch die Botschaften oft
deutlicher sind. Allerdings werden schamanische Praktiken auch als Behandlungsmethoden
in der Naturheilkunde angewendet.
Weitere Informationen findest Du hier: Die
Anderswelt - verschiedene Sichtweisen und Gott,
Götter und die Geistwesen
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